To-Do-Liste für das Bildungssystem

Youtube, Instagram, WhatsApp oder TikTok gehören für Kinder und Jugendliche zum Standard, den sie gern und kreativ nutzen. Gleichzeitig fehlt Vielen das Verständnis der dahinterliegenden Geschäftsmodelle und der Risiken.

Um aber einen wirklich souveränen Umgang zu ermöglichen, braucht es die Einsicht in die Zusammenhänge und das Verständnis für potenzielle Nachteile und Gefahren – kurz- und langfristige. Dies ist eine gemeinschaftliche Aufgabe von Eltern, Familie, Schulen, Lehrkräftigen und den zuständigen staatlichen Stellen.

Doch an dieser Stelle zeigt sich ein Dilemma: Einerseits sind die Schulen in der Verantwortung, Kinder und Jugendliche auf das Leben in der und mit der digitalen Welt vorzubereiten, andererseits sind die wenigsten Schulen fachlich, zeitlich und finanziell in der Lage, diesem Auftrag nachzukommen.

Der Digitalpakt allein reicht nicht

Dem Großteil der Schulen fehlt es sowohl an technischer Ausrüstung, wie auch an dem fachlichen Wissen der meisten Lehrerinnen und Lehrer. Um dem entgegenzuwirken, hat die Bundesregierung im Februar 2019 den Digitalpakt beschlossen, über den der Bund in den kommenden fünf Jahren insgesamt fünf Milliarden Euro bereitstellen will. Das hört sich viel an – laut dem Bundesministerium für Forschung und Bildung bedeutet dies aber „für jede der ca. 40.000 Schulen in Deutschland im Durchschnitt… 137.000 Euro oder umgerechnet… 500 Euro pro Schüler”. (Quelle: www.bmbf.de)

Viele Meinungsträger verstehen unter einer erfolgreichen Vorbereitung der Schulen auf die Digitalisierung vorwiegend die Anschaffung technischer Geräte (vorzugsweise Tablets und moderne digitale Smartboards).  Doch es geht um mehr als Technik. Die meisten Schüler und Schülerinnen müssen nicht lernen, wie man ein Tablet bedient oder eine App installiert. Vielmehr ist es notwendig, die zugrunde liegenden Mechanismen und Funktionsweisen zu vermitteln, um so die Grundlage für die digitale Mündigkeit der Lernenden zu schaffen. 

Schulleitungen und Lehrkräfte können Spielräume nutzen

Gerade hier sind Schulleitungen und Lehrkräfte gefordert: Sie müssen sich mit der Digitalisierung und den sozialen Medien differenziert auseinandersetzen und die Thematik in ihren Unterricht einfließen lassen. Sie müssen einerseits als Vorbild im richtigen Umgang mit den digitalen Medien dienen, andererseits für eine zeitgemäße Didaktik im Unterricht sorgen.

Sie können Spielräume nutzen und mit den Schülerinnen und Schülern aktuelle Ereignisse zum Themenfeld Algorithmen, Social Media und digitale Ethik diskutieren. Das passt in viele Fächer, z.B. Politik/Soziales, Informatik, Ethik, Philosophie, Gemeinschaftskunde, Psychologie, Medienbildung – je nachdem, wie der Lehrplan im jeweiligen Bundesland aussieht.

Dazu ist es nicht erforderlich, als Lehrkraft immer schon alles vor den Schülerinnen und Schülern zu wissen. Es gibt bereits Schulen die z.B. mit Reverse-Mentoring arbeiten. Lehrkräfte können auch von den Kindern und Jugendlichen lernen und sich gemeinsam mit ihnen Wissen erarbeiten.  

Bildungsministerien müssen unbürokratisch unterstützen

Natürlich dürfen wir die Lehrkräfte nicht allein lassen mit der Verantwortung. Die Schulen brauchen unsere Unterstützung. Dazu gehören neben der technischen Ausstattung u.a. sinnvolle und zielgerichtete Fortbildungen, geeignetes Unterrichtsmaterial und externe Experten, um einen kompetenten Umgang der Heranwachsenden zu erreichen. 

Zudem gibt es nach unserer Erfahrung eine Fülle an kompetenten Vereinen und Personen wie wir, die sich engagieren und Schulen sowie Lehrkräfte tatkräftig bei den täglichen Problemen der digitalen Welt helfen. Hier sind die Bildungsministerien gefragt, mit Information und unbürokratischer Finanzierung zu unterstützen.